Katholische Hauptschule Grevenbroich
+++ Forumabend am 19.03.2009 befasste sich mit dem Thema Rechtsextremismus +++

Bericht zum Forumabend am 19.03.2009:

"Erlebniswelt Rechtsextremismus"

Gespannt war ich auf die Anzahl der Zuhörerschaft. Nach drei leider äußerst schlecht besuchten Abenden zu ebenfalls höchst wichtigen Themen, hatte ich Befürchtungen. Zu Hilfe kam uns allerdings diesmal die kurz vorher in der Zeitung erschienen Berichterstattungen zum Thema Rechtsextremismus.
Das Forum füllte sich zunehmend mit Zuhörern, so dass zuletzt alle Plätze besetzt waren. Besonders erfreulich waren die vielen Schülerinnen und Schüler, die teilweise mit Eltern oder auch alleine den Weg zur Schule gefunden hatten. Hier zeigt sich wieder, dass nicht alle Jugendlichen dem Ruf, desinteressiert zu sein, entsprechen.
Dr. Thomas Pfeiffer, Dipl.- Journalist und Sozialwissenschaftler, wissenschaftlicher Referent beim Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen und insbesondere für Aufklärungsarbeit an Schulen zuständig, zeigte mit eindrucksvollen Beispielen, mit welchen subtilen Mitteln die rechtsextremistische Szene versucht, Jugendliche und Erwachsene in ihren Bann zu ziehen.

Angefangen bei, oberflächlich betrachtet, völlig "harmlosen" Websites und Werbeplakaten, ebenso unauffälligen Kleidungsstücken, die geschickt mit Zahlencodes bedruckt sind, die nur die rechte Szene als rechtsextrem erkennt, bis hin zu ganz offen und brutal die Hitler-Ära glorifizierenden Texten einer Neonazi - Gruppe, in der mit dem Leid der Juden ein Freudenfeier entfacht wird. Eindrucksvoll im negativsten Sinne das Lied von Annett Müller, einer rechtsextremen Liedersängerin, die auf "einfühlsam", "sanfte" Art, zum Angriff auf die Demokratie, zum Rassenhass und zur Verherrlichung Hitlers aufruft. Alles nicht direkt, sondern in geschickt formulierten Texten, die keine Angriffsfläche für den Verfassungsschutz geben.



Die Botschaft des Referenten war eindeutig: Heute tritt die rechtsextreme Szene nicht mehr als brutale, in Bomberjacken gekleidete, Schlägertruppe auf. Neonazis von heute kleiden sich unauffällig. Texte, Plakate und Parolen sind so gestaltet, dass man nicht direkt die Absicht nennt. Erkennen kann man sie sehr wohl. Im Internet, (z.B. You tube u.a.) sind ohne Probleme Lieder und Videos herunterzuladen, Websites rechtsextremer Gruppierungen können problemlos besucht werden. CDs mit entsprechenden Inhalten werden an Schulen verteilt. Dies ist nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten.



Die Zuhörer zeigten sich beeindruckt von den Ausführungen Dr. Pfeiffers. Im Anschluss fand eine rege Diskussion statt.
Wie groß die Sorge der Rechtsextremisten vor solchen Veranstaltungen ist, zeigte ein Vertreter der Szene, der pünktlich eine halbe Stunde vor Beginn Flugblätter verteilte, deren Inhalt den Referenten und dessen Glaubwürdigkeit in Frage stellen sollten. Die vorsichtshalber bereitstehende Polizei und Herr Pfeiffer selbst klärten in Ruhe die Situation.
Die Wichtigkeit des Vortrags zeigte auch die Anwesenheit des WDR Fernsehens. Die Reporter hatten sich einen Tag vorher angekündigt und nahmen die gesamte Veranstaltung auf. (Der Beitrag wurde in der Sendung Westpol am 22.03.2009 gezeigt)
Hier einige Beispiele der Zahlensymbolik:
Es gibt T-Shirts, Pullover, Unterwäsche (!) und andere Utensilien mit folgenden Symbolen:
88 = zweimal der 8. Buchstabe im Alphabet = He…Hi..
18 = 1. Buchstabe und 8. Buchstabe = Ad…. Hi…
168:1 Hier wird eine Rechtsextremist verherrlicht: Timothy McVeigh hat am 19. April 1995 einen Bombenanschlag in Oklahoma City verübt, welcher 168 Todesopfer forderte. McVeigh wurde 1997 zum Tode verurteilt und 2001 hingerichtet.
Die 14 Worte(fourteen words): "We must secure the existence of our people and a future for White children." ("Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft der weißen Kinder sichern.") Dieser Spruch wurde von David Eden Lane, einem weißen US Rassisten, geprägt. Wer mit unser Volk gemeint ist und vor welchen Kindern man unsere Kinder angeblich schützen müsse, braucht man nicht mehr zu erwähnen.
Häufig werden diese Zahlencodes auch im Zusammenhang gebracht und damit Botschaften verschlüsselt weitergegeben.
Die Aufschrift "Lonsdale", eine eigentlich harmlose Boxsportmarke, wird ebenfalls missbraucht, indem man Jacken so öffnet, dass die Mitte sichtbar bleibt: Lonsdale. So liest man NSDA, also die fast vollständige Abkürzung der NSDAP. Eine andere, jetzt aber rein rechte Marke zeigt dies komplett: consdaple. Der Schriftzug gleicht dem eben erwähnten auffallend.
Fazit: Ein höchst interessanter, erschreckender und nachdenklich machender Abend, der gezeigt hat, dass es dringend nötig ist, die Augen offen zu halten und unsere Jugendlichen und Kinder vor diesen Machenschaften zu schützen und sie entsprechend aufzuklären. Denn auch ältere Bürger unseres Landes, die es eigentlich besser wissen müssten, scheinen unbelehrbar zu sein. Auch das ist eine wichtige Erfahrung des Abends.

Peter Herzhoff