Katholische Hauptschule Grevenbroich
+++ Kooperation mit einem Industrieunternehmen der metallerzeugenden/-verarbeitenden Branche!! +++

Kooperation mit der Firma Hydro

Betriebsbesichtigung der 9. Schulklassen bei Hydro-Aluminium

Ein Bericht von Herrn Fink
Am Freitag, den 02.09.2005, fuhren 24 Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen sowie Herr Brozio und Herr Fink zu einer Besichtigung zu Hydro Aluminium.
Gleich zu Beginn wurde uns klar, dass wir in einem besonderen Werk waren. Jeder Besucher wurde namentlich erfasst und erhielt einen Ausweis, der beim Eingang und später auch beim Ausgang an einem Gerät eingelesen wurde.
Anschließend wurden wir mit der persönlichen Schutzausrüstung versorgt wozu ein Helm, eine Schutzbrille, Sicherheitsschuhe und ein leuchtend gelber Kittel gehört. Die Bedeutung des auffälligen Kittels wurde uns später erläutert: diese gelbe Farbe weist uns als Besucher aus auf die besonders Acht gegeben werden muss, da sie sich vermutlich mit den Besonderheiten und Gefahren des Werks nicht auskennen.

In einem Schulungsraum der Ausbildungswerkstatt wurden wir von Herrn Geißen, dem Ausbildungsleiter, begrüßt.
Er stellte uns die Berufsbilder vor, für die sich die Schülerinnen und Schüler bewerben können. Es sind in diesem Werk die "Industriemechaniker" und die "Anlagenelektroniker".
Herr Geißen schilderte den Ablauf der Ausbildung die in der Ausbildungswerkstatt und in der Schule erfolgt. Dabei wurde die vielseitige und intensive Betreuung der Auszubildenden auch dadurch betont, dass der Betrieb bei schulischen Problemen eigenen zusätzlichen Unterricht durchführt.
Der beste Beweis für die Qualität der Ausbildung ist die Tatsache, dass seit mindestens 10 Jahren kein Auszubildender, der die Prüfung bestehen wollte, durchgefallen ist.
Einen Einblick in die Ausbildungswerkstatt können einige Schülerinnen und Schüler in den Praktika vor und nach den Herbstferien gewinnen.
Anschließend erhielten wir einige Informationen über die Größe und die Entwicklung des Grevenbroicher Werks, dessen Betriebsgelände sich fast drei Kilometer entlang der B59 erstreckt.
Das Werk wurde 1922 gegründet und beschäftigt heute ca. 2000 Mitarbeiter, wovon 75 Auszubildende sind.
Jährlich werden über 500.000 t Aluminium angeliefert, verarbeitet und wieder abtransportiert. Bei 25 t Nutzlast pro LKW-Ladung entspricht das der unvorstellbaren Menge von ca. 20.000 LKW bei der Anlieferung und ebenso vielen beim Abtransport. Bei dieser großen Anzahl von Fahrzeugen wird klar, warum die Verkehrsanbindung verbessert werden muss und seit Monaten an dem großen Kreisverkehr zwischen Hydro und der Autobahn A540 gearbeitet wird.
In einem kompakten und wohlstrukturierten Vortrag, der immer wieder durch eingeflochtenes Wissen der Schülerinnen und Schüler aufgelockert wurde, erhielten die Jugendlichen einen Einblick in die Gewinnung von Aluminium sowie die Herstellung und Verwendung von Aluminiumprodukten.

Im Rheinwerk Neuss wird das aluminiumhaltige Erz (=Bauxit) gereinigt und zu Aluminiumoxid (=Tonerde) umgewandelt. Aus dieser Substanz wird dann durch eine Schmelzflusselektrolyse das reine Aluminium gewonnen und zu Walzbarren in der Größe von 5 m x 2 m x 0,4 m gegossen.

Im der unmittelbar neben dem Rheinwerk gelegenen Firma "AluNorf" wird dieses Aluminium in seiner Struktur bei 550°C verändert (=homogenisiert) und durch immer wiederkehrende Walzschritte auf eine Dicke von bis zu 0,7 mm gewalzt. Diese Walzschritte muss man sich vereinfacht wie das Ausrollen eines Kuchenteigs mit einer Kücherolle vorstellen.
Das 0,7 mm dicke Material wird kilometerlang auf einen "Coil" aufgerollt (vergleichbar mit einer Rolle Toilettenpapier) und als ca. 11 t schwere Verpackungseinheit zu Hydro Aluminium nach Grevenbroich transportiert. In weiteren Schritten wird dieser Coil mehrfach abgerollt, gewalzt, wieder aufgerollt und erhitzt, so dass unterschiedlich dicke Bänder oder letztendlich eine Folie mit einer Dicke von 0,006 mm entsteht. Diese Folie ist dann nur noch so dünn wie 1/10tel Menschenhaar und dient als Verpackungsmaterial. Uns begegnet sie täglich als Innenverkleidung von Getränkekartons, als Butterverpackung, als Haushaltsaluminiumfolie, bei der Verpackung von Medikamenten, Kaffee und vielen Süßigkeiten. Etwa 100.000 t (1/5) werden zu solchen Folien verarbeitet.

Neben dieser allgegenwärtigen Verwendung wird Aluminium aber auch noch zu so genannten Lithografiefolien verarbeitet, mit deren Hilfe Zeitungen gedruckt werden.
Dabei werden 0,3 mm dicke Folien mit einem Fotolack besprüht und anschließend einem Ätzprozess unterzogen. Es bleiben dann bestimmte Bereiche unverändert, während andere, nicht geschützte Stellen ein wenig weggeätzt und vertieft werden. Dadurch ergibt sich dann später ein bestimmtes Druckbild.
Bei der Produktion von diesen Platten bestehen höchste Qualitätsansprüche, denn nur einwandfrei geätzte Platten ergeben ein scharfes Druckbild.
Rund 20% der verarbeiteten Aluminiummenge wird in den Lithographiezentren zu solchen Offsetdruckplatten verarbeitet. Hydro Aluminium Grevenbroich erzeugt damit ca. 1/3 des Weltbedarfs.

Etwa die Hälfte der verarbeiteten Menge wird zu dickeren Materialien (=Bandmaterial) verarbeitet wie Getränkedosen, Joghurtdeckel oder Quarkdeckel.
Neben diesen 3 Produktgruppen die Hydro produziert wird Aluminium auch noch für: - leichte Bauteile in Flugzeugen und Autos, (wodurch bei der Nutzung Kraftstoff gespart wird),
  • Fensterrahmen,
  • Verkleidungen von Gebäuden,
  • Isoliermaterialien für Gebäude usw………..

  • Bevor wir dann den Betrieb betreten haben, hat Herr Geißen noch einmal eindringlich auf die Beachtung der Sicherheitsvorschriften und den Einsatz der persönlichen Schutzausrüstung hingewiesen.
    Zur anschließenden Betriebsbesichtigung haben wir alle ein Funkgerät zur besseren Verständigung bekommen und sind je zur Hälfte von Herrn Geißen und von einem Ausbilder -Herrn Spiegelhoff- durch den Betrieb geführt worden.
    Wir konnten in den riesigen Hallen die Maschinen und Arbeitsvorgänge sehen, die Herr Geißen uns vorher erläutert hatte.
    Wir haben die Anlagen gesehen, mit denen
    1. Folien,
    2. Bänder (=dicke Folien) und
    3. Lithografiefolien produziert werden.

    4. Außerdem konnten wir das
    5. Großlager und den
    6. Packbetrieb besichtigen.
    Bei den Anlagen, die die Folien oder Bänder produzieren, war beeindruckend, mit welcher Geschwindigkeit die Rollen (=Coils) abgerollt, gewalzt und wieder aufgerollt werden. Bei jedem Walzvorgang verringert sich die Dicke auf ca. die Hälfte, so dass viele solcher Arbeitsgänge nötig sind, bis 0,006 mm erreicht sind.
    Da es aber nur schwierig ist dünnere Folien als 0,01 mm herzustellen, hat Hydro Aluminium zu einem Trick gegriffen:
    Bei den letzten Walzvorgängen werden zwei Folien aufeinander gelegt und zusammen auf gut 0,01 mm gewalzt. Anschließend werden diese beiden Folien wieder getrennt, so dass letztendlich 0,06 mm erreicht werden. Diese Folie wird dann mit ca. 250 km (= vier Mal die Entfernung: Grevenbroich-Aachen) auf einen Coil aufgerollt.

    Eine Folie von 0,006 mm ist unvorstellbar dünn; bei diesen Maßen ist ein Insekt ein gigantisches Lebewesen, das zu Fehlern in der Folie führt wenn es mit aufgerollt wird. Daher hängen überall Lampen, die blaues Licht aussenden um Insekten anzulocken und sie durch einen elektrischen Schlag zu töten.
    Aus dem gleichen Grund werden die Anlagen teilweise mit Vorhängen verhüllt.
    An mehreren Stellen konnten wir einen Einblick gewinnen, welche Arbeiten in dem Werk verrichtet werden. Egal, ob eine gerissene Folie wieder neu eingespannt werden muss, ein Lager ausgetauscht wird oder die Walzen in regelmäßigen Abständen ausgebaut und gewartet werden: immer merkt man, dass Erfahrung und eine gute Ausbildung benötigt werden, um den komplizierten Produktionsprozess störungsfrei in Betrieb zu halten.
    In dem Großlager werden die Coils mit den vielen verschiedenen Längen, Breiten und Dicken der Folien aufbewahrt.
    In einem viele Stockwerke hohen Gebäude lagert eine wie von Geisterhand gesteuerte Maschine die Rollen ein und holt sie auch wieder raus, wenn sie verkauft und verladen werden. Ein Computer "weiß" wo welche Rollen liegen und transportiert sie zur richtigen Zeit zur Packstation.
    An der Packstation werden die Coils für den Versand vorbereitet. Je nachdem wie und in welches Land dieser Erde sie transportiert werden, müssen sie unterschiedlich geschützt und verpackt werden.
    Zum Schluss haben wir uns wieder in dem Schulungsraum getroffen und sind von Herrn Geißen zu kühlen Getränken -selbstverständlich aus Aluminiumdosen- eingeladen worden. Bei diesem abschließenden Gespräch konnten noch offene Fragen geklärt werden und Herr Geißen hat die weiteren Aktivitäten genannt, die sich in nächster Zeit aus der Kooperation von Hydro Aluminium und der Katholischen Hauptschule ergeben:
    • Praktika von mehreren Schülerinnen und Schülern vor und nach den Herbstferien.
    • Besuch von Herrn Geißen, Ausbildern und Auszubildenden in mehreren Klassen.
    • Praktika von 4 Lehrern vor und nach den Herbstferien.
    • Technikunterricht im Februar 2006 in der Ausbildungswerkstatt bei Hydro.
    Mit einem Foto in der Grünanlage vor der Ausbildungswerkstatt und einem herzlichen Dank an Herrn Geißen und an die Mitarbeiter für die Zeit und die interessante Führung haben wir uns verabschiedet. Das nächste Mal bringen wir ein wenig mehr Zeit mit, denn wir hätten an verschiedenen Stellen gerne länger zugeschaut oder zugehört.
    Wir machen uns auf den Heimweg mit dem Eindruck von einer Firma, die ein allgegenwärtiges und hochwertiges Produkt herstellt, die sehr sauber ist, die sehr gut auf uns vorbereitet war und in der die Mitarbeiter und Auszubildende keine Produktionsfaktoren, sondern Menschen sind.

    Ein wenig besonnen denkt so manche Schülerin und so mancher Schüler: tja, wäre schon nicht schlecht, wenn man Glück hätte und bei Hydro-Aluminium nach dem Schulabschluss …………………….!
     
    Besuch der 9. Klassen bei Hydro